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![]() ![]() Artikel 16. Juni 2012 |
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Minishuttle der US-Luftwaffe kehrt nach 468 Tagen aus dem All zurück
Orbitales Testraumfahrzeug X37-B landet frühmorgens in Kalifornien - Mission streng geheim
Das orbitale Testraumfahrzeug empfing das vom Boden gesendete Kommando heimzukehren, leitete eine voll autonome Sequenz von Bahnmanövern ein, um aus der Umlaufbahn abzubremsen, dann in einem feurigen Wiedereintritt über dem Pazifik in die Atmosphäre abzusteigen, eine Reihe von Wenden auszuführen, um Geschwindigkeit abzubauen, und schließlich mit GPS-Daten navigiert um 14:48 Uhr MESZ mit ausgefahrenem Fahrwerk auf der Landebahn Vandenbergs aufzusetzen. Bei seinem antriebslosen Anflug steuerte der Gleiter die 5 km Lange Beton-Landebahn Vandenbergs an, die ursprünglich für die Landung der bemannten US-Raumfähren bei der Rückkehr von militärischen Mission aus polaren Umlaufbahnen gebaut worden war. Die Basis liegt an der amerikanischen Westküste im US-Bundesstaat Kalifornien, rund 250 km nordwestlich von Los Angeles. "Ähnlich wie schon beim OTV-1 wird das Raumfahrzeug nach der Landung genau begutachtet und anschließend wiederaufbereitet werden. Was wir dabei lernen, wird direkt in die nächste Mission einfließen", erklärte Major Tracy Bunko, eine Sprecherin der US-Luftwaffe.
Der Marathonflug von OTV-2 dauerte außerdem doppelt so lange wie der Jungfernflug des Programms im Jahr 2010. Verantwortliche des Stützpunktes erklärten, das Personal habe ein umfangreiches wiederholtes Training absolviert, um das Raumflugzeug in jedem Moment in Empfang nehmen zu können. Das Personal der Bereichssicherung hatte den Auftrag, das Raumfahrzeug zu zerstören, wenn es vom festgelegten Flugpfad zu weit abgewichen hätte, aber am Samstag verlief alles nach Plan. "Das Team Vandenberg hat ein Jahr harte Arbeit in die Vorbereitungen für diese Landung gesteckt und heute konnten wir die Früchte dieser Anstrengungen sehen", meinte Oberst Nina Armagno vom 30. Weltraumgeschwader. "Ich bin sehr stolz auf unser Team, das zusammengekommen ist, um die Landung sicher und erfolgreich durchzuführen."
In seiner gut zwei Meter langen und 1,2 Meter breiten Ladebucht könnte sich Ausrüstung befunden haben, die der harschen Umgebung des Alls ausgesetzt worden sind, um zu testen, ob sie ihr widerstehen kann, oder sie könnte experimentelle Instrumente enthalten haben, die auf zukünftigen militärischen und Aufklärungssatelliten eingesetzt werden sollen. Die einzigartige Fähigkeit des Raumfahrzeugs, aus dem All zurückzukehren und auf einer Landebahn niederzugehen ermöglicht es den Technikern, ihre Hand an die Geräte zu legen, nachdem sie über ein Jahr in der Umlaufbahn zugebracht hatten. "Wir sind in dem sehr ernsten und wichtigen Geschäft, unserer Nation Raumfahrttechnische Möglichkeiten für die nationale Sicherheit bereitzustellen. Wie sie sicher gut wissen, sind einige dieser Technologien auf dem aktuellen Stand der technik, hochkomplex, sehr technisch und unsere Fähigkeit, diese Technologien genauestens zu testen, bevor wir sie im [täglichen] Betrieb einsetzen, ist eine Fertigkeit hinter der wir seit langem her sind", hatte Richard McKinney, stellvertretender Staatssekretär der US-Luftwaffe für Raumfahrtprogramme, nach der OTV-1 Landung erklärt. "Jetzt können wir diese Fertigkeiten weit vor der Inbetriebnahme testen. Anstatt sie also gleich beim ersten Mal auf eine Einsatzmission zu schicken, können wir diese Fertigkeiten also erst einmal testen."
"Ich weiß die Innovativität und Kreativität einiger Leute zu schätzen, aber hiebei handelt es sich um einen Prüfstand", meinte McKinney nach OTV-1. "Wir setzen ihn ein, um Experimente in die Erdumlaufbahn zu bringen. Wir überprüfen sie dort. Wir testen sie und bringen sie wieder zurück zur Erde. Das ist alles." Gebaut in den Phantomwerken von Boeing ist das Raumflugzeug rund 8,8 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von 4,5 Metern. Es besteht aus einer Leichtbau-Verbundstruktur anstatt aus Aluminium und hat eine wärmeabschirmende Keramikverkleidung an seinen Flügeln und härtere Siliziumdioxidkacheln auf seinem Bauch, die haltbarer als die der ersten Generation sind, die beim Space Shuttle verwendet wurden. Vollgetankt für den Start kann es bis zu 5 Tonnen wiegen. Es ist für eine Missionsdauer von 270 Tagen im All ausgelegt, aber das gute Betriebsverhalten während dieser Mission ermöglichte es den Bodenleittechnikern, es deutlich länger in der Umlaufbahn zu halten. Anders als die US-Raumfähren, die kryogenen Wasserstoff und Sauerstoff verwendeten, um in den bordeigenen Brennstoffzellen daraus Strom zu gewinnen, was die Missionsdauer von der Menge der mitgeführten Reaktanten abhängig machte, wird das OTV von entfaltbaren Solarzellenflächen mit Strom versorgt. Die längste Shuttle-Mission hatte 18 Tage gedauert. Und auch nachdem man die Shuttles mit einem Stromwandler ausgerüstet hatte, der den Strom nach dem Ankoppeln an der ISS von der Station beziehen konnte und so den Verbrauch an kostbarem Wasserstoff und Sauerstoff auf ein Minimum reduzierte, konnten damit keine wirklich signifikanten Missionsverlängerungen erzielt werden, die in die Größenordnung des OTVs gekommen wären.
"Es hat diese Bahnhöhe entgegen der Wirkung des Luftwiderstandes mithilfe von vielen kleinen Bahnkorrekturmanövern beibehalten", erklärte Ted Molczan, ein angesehener Satellitenbeobachter. Im Mai diesen Jahres jedoch hatte das Raumfahrzeug begonnen seine Bahnhöhe zu verringern, wobei es die Beobachter kurzzeitig aus den Augen verloren, bis sie es in einer Höhe von 293 km bei einer Bahnneigung von 41,9° wiederentdeckten. Auf dieser Umlaufbahn wiederholte das Raumfahrzeug seinen projizierten Pfad am Boden fast exakt alle drei Tage. In der ursprünglichen Höhe geschah das nur alle zwei Tage. Molczan erläuterte, daß Umlaufbahnen, die ihren Bodenpfad alle zwei, drei oder vier Tage wiederholten sehr beliebt für bilderschießende US-Aufklärungssatelliten seien, was möglicherweise ein Hinweis auf die Nutzlast des Raumfahrzeugs sei. "Wir möchten in der Lage sein, [verschiedene] Objekte in den Weltraum zu bringen, Werkstoffe und Technologie und so weiter, sie dort auszutesten, dann zurückzubringen und sie dann zu begutachten", hatte McKinney nach der Mission OTV-1 gesagt. "Genau das ist es, ganz einfach." Dies war das zweite Orbitale Testfahrzeug, das im Rahmen des X-37B-Programm geflogen ist, nach dem Jungfernflug, bei dem das erste Gefährt zwischen April und Dezember 2010 224 Tage im All verbracht hatte, und dabei häufig herummanövriert hatte, vermutlich mit der Absicht, die Fähigkeiten des Raumflugzeuges genau auszuloten. Als OTV-2 die Missionsdauer des ersten Fluges überschritt, hatte der Programmleiter Oberstleutnant Tom McIntyre bei der Gelegenheit erklärt, daß das zweite Testfahrzeug den Einsatzumfang der Plattform ausweiten würde. "Dieser erfogreiche Flug ist wichtig für den Fortschritt des X-37B-Programms und bringt und weiter in unseren Bemühungen, den Nutzen und die Kosteneffizienz eines unbemannten wiederverwendbaren Raumfahrzeugs für Langzeitmissionen zu beweisen." Das erste Raumfahrzeug des Typs wurde inzwischen wiederhergerichtet und für die Verbringung nach Cape Canaveral für einen weiteren Start vorbereitet. Eine weitere ATLAS 5 von United Launch Alliance soll das Raumfahrzeug voraussichtlich im Oktober in die Erdumlaufbahn bringen. "Die genaue Anzahl von X-37 Missionen muß erst noch bestimmt werden, aber wir schätzen, das einige Missionen benötigt werden, um die Ziele des Programms zu erfüllen und die für uns interessanten Technologien zu validieren", hatte Bunko in diesem Monat erklärt. Die Kosten des OTV-Programms werden unter Verschluß gehalten. "Es ist ein Prüfstand, eine Plattform, ein experimenteller Prozess, wie er uns bisher noch nicht zur Verfügung gestanden hat", hatte McKinney zuvor bereits erklärt. "Ich denke er eröffnet uns eine völlig neue Welt an Möglichkeiten dahingehend, daß wir in der Lage sein werden, neue Werkstoffe und Technologien [auf ihre Anwendungstauglichkeit] zu testen." Quelle:
Spaceflight Now
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