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Bericht 4. Juli 2005
Volltreffer!
NASA-Sonde DEEP IMPACT photographiert Einschlag seiner Teilsonde in den Kometen Temple 1 - Aufschluß über Zusammensetzung von Kometen erhofft

Bestätigung!
Oben: Die Bestätigung, daß der Impaktor den Kometenkern getroffen hat, kam um 7:57 Uhr MESZ mit dieser Aufnahme auf der Erde an. (Photo: NASA/JPL)
Als um 7:57 Uhr MESZ der Jubel im Missionsleitzentrum des Laboratoriums für Strahlantriebe (JPL) der NASA in Pasadena aufbrandete, war klar, daß eine der gewagtesten Missionen der Raumfahrtgeschichte erfolgreich durchgeführt worden war.

Die Raumsonde DEEP IMPACT bestätigte mit ihren Nahaufnahmen vom Kometen Temple 1, daß ihr Einschlagkörper wie vorgesehen den Nukleus des Schweifsterns getroffen und eine Wolke von Kometenmaterial ausgeworfen hatte.

Es war eine vergleichsweise kurze Mission. Die Raumsonde war erst am 12. Januar 2005 um 19:47 Uhr MEZ mit einer Delta 2 Trägerrakete von der Startrampe 17B des US-Luftwaffenstützpunktes Cape Canaveral (CCAFB) in Florida gestartet worden. Jetzt, nur knapp ein halbes Jahr später, am amerikanische Unabhängigkeitstag, erreichte sie in 133 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde ihren Höhepunkt.

Einen Tag zuvor hatte die Sonde um 8:07 Uhr den Impaktor, eine 350 kg schwere, waschmaschinengroße Teilsonde mit einem kompakten Kupferblock und einem autonomen Steuersystem, das es in der letzten Phase des Anflugs in's Ziel lenkt, abgekoppelt. Im Anschluß führte DEEP IMPACT ein Bahnkorrekturmanöver durch, das es an dem Kometen vorbei und in eine günstige Position für Aufnahmen vom Einschlag brachte.

Nahaufnahme des Impaktors
Oben: Diese Aufnahme vom Kometenkern hatte die Navigationskamera des Impaktors kurz vor dem Einschlag übermittelt. (Photo: NASA/JPL, Spaceflight Now)
Um 6:22, 7:17 und 7:39 Uhr MESZ folgte drei Korrekturmanöver des Impaktors, der mit einer kleinen Navigationskamera seine Annäherung an Temple 1 dokumentierte. Das letzte dieser Bilder wurde nur 3,7 Sekunden vor dem Aufschlag zur Muttersonde gesandt und zeigt eine zerfurchte, kraterübersäte Landschaft auf dem nur 14 mal 6 km messenden Kometenkern.

Das eigentliche Ereignis, der Einschlag des Impaktors, wurde nicht nur von der Muttersonde aufgenommen. Auch bodengestützte Teleskope, das HUBBLE-Weltraumteleskop, das SPITZER-Infrarot-Weltraumteleskop, das CHANDRA-Röntgen-Weltraumteleskop und auch die ESA-Raumsonde ROSETTA hatten ihre Objektive auf den Kometen Temple 1 gerichtet. Die Bilder dieser Geräte stehen noch aus, werden aber als sehr wichtig für die wissenschaftliche Auswertung angesehen.

Auch die Bilder der Muttersonde müssen noch durch die Bildauswertung. Was man auf den Monitoren des JPL sehen konnte waren nur Rohbilder. Nach der Überarbeitung erwartet man sich phantastische Ansichten des Einschlages und der Auswurfwolke mit einer Auflösung von bis zu 20 cm.

Wenige Minuten nach dem Einschlag, kurz vor ihrer größten Annäherung an den Kometen, hatte sich DEEP IMPACT in den "Schildmodus" versetzt, indem sie ihren Schutzschild dem Kometen zuwandte, um so zu verhindern, daß Teilchen, die Beim Einschlag ausgeworfen wurden, die Sonde beschädigen. Während dieser zwanzig Minuten dauernden Phase blieb aber die Hauptantenne zur Erde gerichtet, damit Bilder vom Ereignis weiter zur Bodenstation übertragen werden konnten.

Einschlag
Oben: Diese Aufnahme wurde unmittelbar nach dem Einschlag mit der Kamera mittlerer Auflösung der DEEP IMPACT Muttersonde gewonnen. Deutlich erkennbar ist die Auswurfwolke, die von der Sonne hell erleuchtet wird. (Photo: NASA/JPL, Spaceflight Now)
Danach richtete die Sonde ihre Teleskope wieder auf den Himmelskörper. Weitere Aufnahmen wurden angefertigt, die den Schaden dokumentieren sollen, den der Impaktor, der mit rund 40.000 km/h auf die Oberfläche aufgetroffen ist, angerichtet hat. Dies soll Aufschluß über die innere Zusammensetzung des Kometen bringen, seine Dichte, seine Kompaktizität und über Material, das unter der Oberfläche zu finden ist. Letzteres könnte noch in dem Zustand von kurz nach der Entstehung des Sonnensystems sein.

Auch soll seine Bahn analysiert werden. Man geht davon aus, daß der Aufprall die Bahn leicht verändert hat. Allerdings bei weitem nicht so, daß er nun Kurs auf die Erde nähme.

Diese Informationen sind dazu geeignet, mehr darüber zu erfahren, wie Kometen zusammengesetzt sind, woraus unser Sonnensystem einst entstanden ist und mit welchen Strategien man erfogreich einen die Erde bedrohenden Kometen abwehren kann.

Ganz besonders wichtig sind diese Informationen aber auch für die ROSETTA-Mission. Die im März letzten Jahres gestartete Sonde soll im Mai 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko gehen und einen Lander, PHILAE, absetzen. Da bislang über die Zusammensetzung von Kometen nur spekuliert werden konnte, war nicht sicher, ob sich eine Landung von PHILAE auf dem Kometen überhaupt realisieren läßt. Einige Wissenschaftler äußerten sogar die Vermutung, daß der Kometen so dünn gepackt sei, daß der Lander einfach durch den Kern hindurchfliegen würde. Die Ergebnisse von DEEP IMPACT werden jetzt mehr Gewißheit bringen.

Über das weitere Schicksal der DEEP-IMPACT-Sonde ist noch nicht entschieden. Es scheint aber mehr als sicher, daß eine Missionsverlängerung gewährt wird mit der Umlenkung auf ein neues Ziel, das innerhalb der nächsten drei Jahre erreicht und untersucht werden kann.

Quelle: Spaceflight Now


letzte Änderung am 4. Juli MMV